DROBS Dresden | Jedes Kind, das durch die Babyklappe am Leben bleibt...

Dieser Kaleb, dessen Schicksal Im 4. Buch Mose aufgeschrieben ist, stand Pate bei der Namensgebung des Vereins. Er ist einer der 11 Kundschafter, die das Land Kanaan ausspionieren, das Gott dem Volk Israel als künftigen Wohnsitz verheißen hatte, als es aus Ägypten, dem Land der Sklaverei, durch die Wüste Sinai nach Norden zog.

Sie kommen zurück aus dem Land „wo Milch und Honig fließen" und wo die Weintrauben so groß sind, dass zwei Männer eine Rebe mit einer Traube auf einem Stecken tragen müssen. Seine Ureinwohner aber sind so stark, dass zehn der Spione dringend davon abraten, gegen die Kanaaniter zu kämpfen. Kaleb macht Mut zur Eroberung des verheißenen Landes. Nur er und Joshua, nicht aber die anderen zehn Kundschafter, werden Kanaan wieder betreten.

Kaleb ist also einer der beiden, die ins verheißene, kostbare, wundervolle Leben tritt und nicht an der Grenze zum Leben umkommt – ein schöner Name für einen Verein, der die Tore zum guten Leben öffnen möchte.

Der Verein
1992 gründete sich der Verein KALEB. (der es sich zur Aufgabe gemacht hat. Frauen und Familien m stärken, die ein Kind erwarten oder das Kind bereits geboren haben. Die Buchstaben stehen aber auch für „Kooperative Arbeit Leben ehrfürchtig bewahren".

Heute hat der Verein vier Festangestellte in Teilzeitarbeit, die von einer Vielzahl ehrrenamtlicher Helfer unterstützt werden.

Mit Beginn der Vereinsarbeit stand bereits fest: Wer ungeborenes Leben schützen will, kommt allein mit Worten nicht weit. Frauen, die ein Kind erwarten und sich in einer schwierigen Lebenssituation befinden, brauchen neben der ideologischen Unterstützung und Stärkung auch praktische Hilfen. So entstanden zunächst die KIeiderkammer und eine kleine Bibliothek. Dann wurde eine kleine Krabbelgruppe ins Leben gerufen. StilIkurse wurden angeboten. Projekt für Projekt kam neu hinzu, so dass für schwangere Frauen und Mütter mit Kleinkindern vielfältige Hilfen angeboten werden können. Und da es gar nicht so selten ist, dass auch ein Teenie ein Baby bekommt, gibt es auch für die ganz jungen Müller Unterstützung bei der Geburtsvorbereitung, bei der Geburt und danach.

Seit 2001 gibt es das Projekt Findelbaby. Dazu gehören der Müttenotruf, die Babyklappe und die Begleitung bei anonymen Geburten.

Mütter-Notruf
Vielen Frauen fällt es schwer, einen ersten Kontakt zu knüpfen oder grundsätzlich über ihre schwierige Situation zu sprechen. Deshalb gibt es rund um die Uhr den Mütter-Notruf. Hier kann frau – ohne ihren Namen zu nennen – ihre Situation schildern. Gemeinsam wird dann nach Lösungsmöglichkeiten gesucht. Diese Gespräche können der Anfang einer längeren Begleitung werden, denn oft finden diese Frauen danach den Weg leichter in die Beratungsstelle. Oder es wird in andere Hilfsangebote vermittelt. Aber auch wer nur kurzen Kontakt sucht, findet einen Ansprechpartner.

Babyklappe
Von der Straße aus nicht sichtbar befindet sich im Durchgang des Hausflures die Babyklappe. Bereits beim Öffnen der Klappe wird hei einer Sicherheitsfirma ein Signal ausgelöst. Zum immer beheizten Wärmebettchen wird dann zusätzlich eine Wärmelampe eingeschaltet. Eine ehrenamtliche Mitarbeiterin von KALEB bekommt ein Signal, die eine zweite informiert. Beide .sind innerhalb von spätestens 10 Minuten beider Babyklappe. Zu gleicher Zeit wird im Diakonissenkrankenhaus ein Signal ausgelöst, der die Neonatologie informiert. Die Mutter des Kindes findet in der Babyklappe einen Brief vor, in dem sie unter anderem gebeten wird. eine Nachricht für ihr Kind zu hinterlassen. Nach dein Aufenthalt im Diakonissenkrankenhaus wird das Baby für 8 Wochen in eine Pflegefamilie gegeben. In dieser Zeit kann die Mutter ihre Entscheidung überdenken. Sie kann jederzeit Kontakt mit KALEB aufnehmen und gemeinsam mit einer Mitarbeiterin überlegen, mit welcher Unterstützung es ihr möglich wird, ein gemeinsames Leben mit dem Kind zu besinnen.

Uta Jarsumbeck, Mitarbeiterin im Projekt Findelbaby, betont, wie wichtig es ist, Frauen, die ihre Kinder nach der Geburt zur Adoption abgeben, nicht zu verurteilen: „Keine Mutter gibt ihr Kind freiwillig weg. Es steht immer eine große Not dahinter."

Anonyme Geburt
Meldet sich unter der Notrufnummer eine Frau, bei der eine Geburt unmittelbar bevorsteht, und die ihr Kind anonym zur Welt bringen will, kann sie durch eine Mitarbeiterin von KALEB Unterstützung erhalten.

Die Mitarbeiterin vereinbart mit der Schwangeren einen Treffpunkt, von dem die beiden gemeinsam ins Krankenhaus fahren. Die KALEB-Mitarbeiterin steht der Gebärenden bei der Geburt zur Seite. Auch danach bleibt sie noch drei Stunden bei ihr und leistet ihr Beistand, aber erklärt ihr auch, was eine Adoption für sie und das Kind bedeutet. Es ist ein sensibles Ringen um den Aufbau einer Mutter-Kind-Beziehung oder einen Abschied vom Kind. (Anonyme Geburt ist in Deutschland rechtlich nicht erlaubt. Ein Krankenhaus darf jedoch eine Hilfe bei der Geburt nicht verwehren.)

Nachdenkenswert
Die Babyklappen sind in diesen Tagen arg in die Schlagzeilen geraten. Dass Kinder, die dort abgegeben werden, es später schwer haben ohne Wissen über ihre Herkunft aufzuwachsen, ist sicher ein Argument der Klappen-Gegner, das nicht zu entkräften ist. „Aber jedes Baby, das durch die Babyklappe am Leben bleibt, ist ein gerettetes Kind." so Carola Bockhacker, die seit Jahren im Projekt Findelbaby mitarbeitet. Es gibt leider genug Nachrichten darüber, wie es Kindern ergehen kann, deren EItern überfordert sind. Auch das sollte bei der jetzigen Diskussion in die Waagschale geworfen werden.

Als ich die Räume von KALEB verlasse, bin ich sehr nachdenklich geworden. Seit 2001 wurden fünf Babys abgegeben. Rund um die Uhr sind drei Personen in Bereitschaft: beim Mütter-Notruf, am Babyklappenhandy und im Hintergrunddienst. Ein enormer Aufwand dafür, im Notfall da zu sein: Für das Kind und für seine Mutter. Ich finde, das ist eine enorme Leistung.

(DROBS, Edith Säuberlich)


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